Die Gründerzeit (1956 - 1965) - Teil 1

Die Gründerzeit (1956 - 1965) - Teil 1

Gerade die schwierigen Jahre der Gründerzeit hat Horst Röder in der Festzeitschrift zum 25jährigen Vereinsjubiläum detailliert dargestellt. Am 29. März 1956 wurden von der Gründungsversammlung die "Sportfreunde Katzenfurt" ins Leben gerufen, erster Vorsitzender des Vereins war Otto Pflughöft. In den darauffolgenden Jahren unternahmen die Sportfreunde im Senioren- und Jugendbereich vielfältige Versuche, sich im Fußballkreis Wetzlar zu etablieren. So gründete Herbert Kollnegg als damaliger Jugendleiter in der Saison 1956/1957 eine A-Jugend, die u. a. mit den späteren Seniorenspielern Karl Obitz, Karl Kroha, Willi Keiner, Heinz Quandt oder Horst Eckardt beachtliche Erfolge aufweisen konnte. Doch obwohl der so junge Klub richtungsweise Jugendarbeit vorantrieb, waren die personellen Engpässe im Spielbetrieb der Senioren unübersehbar. Nach verständlicher Anfangseuphorie traten diese zu Beginn der sechziger Jahre offener zu Tage. Vorstandsprobleme und finanzielle Schwierigkeiten gesellten sich hinzu.

Gründer der Sportfreunde 1956 Katzenfurt e.V.:

Abendroth, Werner
Bangel, Eugen
Biemer, Karl
Clössner, Werner
Fine, Heinz
Fritzjus Walter sen.
Hormel, Hans
Jakob, Heinrich
Keiner, Karl
Löll, Ludwig

Lorenz, Ludwig
Quandt, Fritz
Sattler, Karl
Schwahn, Erwin
Sturm, Fritz
Süss, Karl sen.
Süss, Karl jun.
Tilp, Walter
Weidenbach, Fritz
Weinl, Wilhelm



Gerade für junge Leser mag das schwer nachvollziehbar sein, aber es ist zu bedenken, dass der junge Verein kaum etwas besaß, schon gar nicht Tradition und einen organischen Aufbau, aus denen ältere Nachbarvereine beachtliche Kräfte schöpften. Vieles musste wachsen, Seniorenspieler waren rar, die Jugendspieler noch nicht so weit. Vereinsheim und Rasenplatz waren Lichtjahre entfernt, und die schmale Vereinskasse ließ wirklich nur das Allernotwendigste zum Aufrechterhalten des Spielbetriebes zu. Verständlich, dass Hingabe und Liebe zum Fussball jener Jahre vieles, aber nicht alles übertünchen konnten. So ist es rückwirkend amüsant wie verständlich, dass ein damals junges Vereinsmitglied neue Wege in dem Bemühen ging, endlich einmal eine gestandene Reservemannschaft zu begründen. Seine Werbungsversuche fanden vor allem bei einigen seiner Arbeitskollegen ein offenes Ohr. Und weil man an besagtem Sonntag eh nichts vorhatte, spielte man eben in Leun in der Katzenfurter Zweiten. Mit Entsetzen, aber zu spät identifizierten die hinzukommenden Sportfreunde diese erste Legionärsauswahl. Überhaupt die Spielerpässe! Nicht immer nahm man es in diesen Krisenjahren damit so genau. Spiel- und Platzsperren waren logische Konsequenzen, besonders drastisch in der Spielrunde 1963/1964 über mehrere Monate hinweg. Und hatte man endlich einmal genug Spieler, dann geschah so etwas wie bei einem Auswärtsspiel gegen RW Wetzlar. Es lief nämlich das gesamte Aufgebot auf, deren 13 Spieler, und böse Absicht sei wirklich nicht unterstellt. Nach einigen Minuten kam die logische Gastgeberintervention: "Schiri, die haben einen (!) Mann zuviel", worauf entsprechend nur ein Sportfreund den Platz verließ, unter Tränen... . Zufällig soll es der gewesen sein, der die Legionärstruppe gemanagt hatte... . Aber bei aller Unerfahrenheit, es war Fussball mit viel Herz, auch jenes Mannes, und gerade das half dem Klub über diese Krisenzeiten hinweg. Und da war auch noch der Nothelfer Bundeswehr. Man hatte bei den Sportfreunden mit der Armee Besseres vor als Waffenübungen oder Exerzieren. Wer 1964 in Wetzlar befördert werden wollte, hatte in Katzenfurt Infanterie - Grundausbildung auf dem Fussballplatz zu absolvieren, noch Fragen?

Und das waren echt Härtetests, denn es hagelte Niederlagen, die schlimmste mit 17:0 in Beilstein. Also Stahlhelm auf und hindurch, egal wie! An jenen Wochenenden gab es Sonntage, wo mehr junge Rekruten als Einheimische für die Sportfreunde spielten. Gerade sie waren Garanten dafür, dass nicht der letzte Zapfenstreich für den Klub geblasen wurde. Um das Jahr 1965 verzogen diese dunklen Wolken allmählich. In einer außerordentlichen Generalversammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt. Unter den Vorsitzenden Ernst Jakob und Ludwig Lorenz sollten gerade Willi Jacob als Spielausschussvorsitzender, Klaus Thielemann als Schriftführer und vor allem Erhard Hofmann als Jugendleiter die Geschicke des Vereins nachhaltig prägen. Die Seniorenmannschaft frischte sich allmählich mit Eigengewächsen auf, Spieler wie Herbert Rinker, Helmut Fiedler oder Alois Bauer kamen von auswärts hinzu. Die Jugendarbeit von Erhard Hofmann brachte dem Verein in den nächsten Jahren Frucht um Frucht. Schon 1966 stand eine D-Jugend Mannschaft um Armin Voh, Arno Schaub und Helmut Weber kurz vor der Kreismeisterschaft. Titel und expandierende Spielerzahlen ließen nicht lange auf sich warten. Es begannen schöne Jahre bisher ungewohnten Erfolges. Fussball machte Spass, und man traf sich innerhalb eines immer harmonischer werdenden Vereinsleben. In dieses Bild passten dann auch die sonntäglichen Nachbarschaftsderbys. Nach Kölschhausen beispielsweise pilgerten viele Katzenfurter zu Fuß oder - man staune - per Traktor. Begleitet von Fussballiedern steigerte man die Dramatik des Spieles noch durch ein kurzweiliges Aprés auf dem Nachhauseweg. Die Gladiatoren trugen Wagenrennen aus, Traktoren ersetzten Pferde. Das Denkwürdigste entschied als zukünftiger Ben Hur der Sohn des Vereinswirtes unter Einsatz von Kopf und Kragen und - zum Schrecken aller - nach Betätigen des Leerlaufs auf der steilen Zielgraden!

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