Schweres Erbe (1981 - 1996) - Teil 3

Schweres Erbe (1981 - 1996) - Teil 3

Zu Beginn der 80er Jahre schien ein neues Wappentier die Sportfreunde Katzenfurt bereichern zu wollen. Die soll sein von einer grauen Maus, die die Wetzlarer Presse in Negativwürdigung der Leistungen der ersten Mannschaft in dieser Zeit erfand. Hintergrund war der Wechsel nach 15 jähriger Abstinenz zurück in den Fussballkreis Wetzlar. Dort gab es nur hier und da ein paar gute Spiele in der damals im Vergleich zum Dillkreis leistungsschwächeren Liga und eine Abwärtsbewegung in hintere Mittelfeld, die Horst Müller wie Peter Failing als Trainer nicht verhindern konnten. Das Fell der grauen Maus war im Herbst der Saison 1983/1984 nach ganzen 3 Pluspunkten mehr als angesengt, als zur ersten vorzeitigen Trainerentlassung in der Geschichte des Vereins kam. Für den auch nach Spielerabgängen wie Werner Fritzjus und Verletzungen überforderten Hans Nawroth übernahm Günter Schütz das Traineramt. Er, die Spielausschußkollegen um Willi Naumann und Herbert Rinker, und vor allem die Spieler begannen einer schier aussichtslose Aufholjagd. Man holte Punkte, Sieg um Sieg, doch die Konkurrenz schien enteilt. Erst am vorletzten Spieltag war durch ein 4:0 Sieg in Hohensolms nach etlichen Zittereinheiten der verdiente Klassenerhalt gesichert. Ein hupender Autokonvoi damals machte deutlich, wie groß die Erleichterung bei allen dieser Gratwanderung war.

Eigentlich mussten sich die Sportfreunde auch in dieser Zeit auf Teile des Heimrechts verzichten. Ein weiteres Projekt des Klubs gewann nämlich zunehmend na Konturen, und zwar der Ausbau des Rasenplatzes. In mühevoller Arbeit installierten viele Helfer einen Hartplatz als Ausweichgelände hinter dem neuen Vereinsheim. Kaum waren Tonnen Kies und Rotasche verteil, meldeten sich die Unbilden des Wetters wieder einmal nachteilig für den Verein zu Wort. Es goß tagelang in Strömen, und reißende Fluten der Dill schwemmten alles mühsam Aufgebaute in wenigen Sekunden hinweg, überschwemmten den Zufahrtsweg samt Brücke zum Vereinsheim und hätten sogar das Auto mit einem Vorstandsmitglied mitgerissen, hätte der sich nicht in letzter Minute barfüßig und mit hochgekrempelter Hose autoschiebend in Sicherheit gebraucht. Bei dem Versuch einen Ablauf im Mühlgraben zu schaffen, ereilte pikanterweise dem gleichen Mann einige Zeit später eine weitere Zerreißprobe. Da diese nicht ganz legale Aktion zu mitternächtlicher Stunde stattfand, alarmierte die verängstigte Frau eines auch noch eng befreundeten Vereinsmitglieds die Polizei. Erneut war Flucht angesagt. Diesmal endete sie in schmutzigen Stiefeln unter der Sicherheit bietenden Bettdecke seiner Wohnung. Spaß beiseite, der Hochwasserschaden war immens, der sportliche Abstieg 1984 gerade noch einmal vermieden. In den folgenden Spielrunden gelang es erfolgreich, den Nimbus der grauen Maus abzuschütteln. Die Favoritenteams aus Aßlar, Werdorf, Wetzlar oder Ehringshausen griffen mitsamt der Wetzlarer Presse nach Mißerfolgserlebnissen da zu mächtigeren Fabeltieren. Gleiche Gefühle hatte die SG Weiltal nach einer 0:12 Niederlage.

Lohn waren überwiegend Plätze im Oberhaus der Tabelle. Die vielkritisierte Reservemannschaft stabilisierte sich ebenfalls, personelle Probleme verschwanden auch dort zunehmend. Punktgleich mit Schwalbach beendete man die Saison im Frühjahr 1985 als Tabellenvierter, Erda wurde Meister. Mit Harald Naumann, Thomas Heumüller, Holger Gräb und Achim Upadek stießen junge Spieler zum Kader der Sportfreunde. Im Kreispokal der Saison 1985/1986 schlug die Elf den Landesligisten aus Aßlar mit 2:1 Toren und scheiterte buchstäblich erst am letzten Elfmeter nach unentschiedener Verlängerung an den klassenhöheren Naunheimern. Ein Jahr später gelangte man sogar bis ins Halbfinale, bevor nach Lospech bei dem Landesligisten Erda gespielt werden mußte. Auch hier kam das Aus erst in der Verlängerung.

In der Meisterschaft spielte die erste Mannschaft lange in der Spitzengruppe, mit Werner Fritzjus wurde ein verlorenen Sohn zurückbegrüßt. Sein Namensvetter Willi wurde als Torhüter nach verdienten Jahren verabschiedet, Werner Schmidt für 500, Udo Langner und Manfred Herbel für 300 Spiele geehrt. Diese Ehrungen waren symptomatisch für den Verein in den 80er Jahren. Trotz der zunehmender Nachwuchsprobleme gelang es, neben den einheimischen Spielern auch die auswärtigen zu integrieren. Die Mannschaft blieb zusammen, konnte sich dadurch leichter verstärken, wobei Auswärtige regelrecht eingebürgert wurden. Der Herborner Werner Schmidt, Thomas Rödl, Harald Naumann, Armin Schäfer und vor allem auch Rainer Fuhrländer halten bis zum heutigen Tag dem Verein die Treue. Der neue Rasenplatz mit all seinen Problemen, die bis zum heutigen Tag währen, war längst fertiggestellt, als sich 1987/1988 ein 5. Tabellenplatz ergab. Viele Zuschauer fanden die Derbys gegen Ehringshausen, ein unvergessenes Spiel lieferte die Elf dem Meisterschaftsfavoriten Garbenheim mit einem 4:4 nach 1:3 Pausenrückstand. Nach dieser Saison beendeten Werner Fritzjus, Rainer Fuhrländer, Udo Langner und Hans-Joachim Klimaschewski ihre lange, erfolgreiche Laufbahn. Trotz dieser Aderlasses war man im folgenden Jahr lange Zeit Verfolger des späteren Meisters Garbenheim, dem man erneut auf eigenem Gelände einen Punkt abknöpfte. Ein 4:2 in Ehringshausen rundete die Spielrunde ab. 1989/1990 hätte ein sportlicher Höhepunkt in der Vereinsgeschichte werden können. Doch es kam ganz anders. Der tragische Tod des jungen Bernd Kruppa demoralisierte alle viele Wochen. Die Sportfreunde trugen schwarz, trotzdem fand die Mannschaft die Moral zu Paukenschlägen. Nacheinander ließen die Titelfavoriten aus Aßlar und Werdorf in Katzenfurt federn. Denkwürdig vor allem die drei Tore des Roger Stockenhofen zum 3:2 Sieg gegen seine alten Kameraden aus Werdorf und auch das 1:0 gegen den VfB Aßlar.

1990 fand eine Umstrukturierung der Ligen statt. Die Sportfreunde stiegen in die Bezirksliga auf, was aber lediglich Klassen- Kosmetik bedeutete, denn auf Grund fehlender Vereine im Oberlahnkreis war praktisch jeder A-Ligist qualifiziert. So wurde in dieser Saison kein Absteiger ausgespielt. Trotz eines erneuten 3:1 Erfolges gegen den späteren Meister Werdorf war es eine mäßige Runde, die mit einem 11. Tabellenplatz schloß. Nach acht Jahren endete auch die Trainertätigkeit von Günter Schütz. Walter Schöffel aus Burg führt als Nachfolger die Seniorenabteilung ab Sommer 1991. Nach einer sehr guten Vorrunde folgte ein rapider Leistungseinbruch in der Rückrunde, der fast den Abstieg gebracht hätte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt begann der jahrelange Abstiegskampf des Vereins. In Schöffels zweitem Trainerjahr war es besonders auch der Unterstützung von Willi Naumann zu danken, der mit viel Engagement und Motivation das schlingernde Schiff durch sein Eingreifen während der letzten Spieltage ohne Schiffbruch in den Hafen brachte. Doch die Seniorenabteilung verlor in zunehmenden Maße Spieler, eine Blutauffrischung fehlte wegen unübersehbarer Probleme im Nachwusbereich. Entgegen dieser sportlichen Turbulenz waren die Sportfreunde in der Zwischenzeit schuldenfrei. Das Vereinsheim war abbezahlt, und man schrieb schwarze Zahlen. Die Umsätze dort waren beachtlich, besonders dann, wenn die Würfel bis in die Nacht rollten. Die Würfel unter Trainer Hossinger fielen in der Saison 1993/1994 schlecht. Auch diesmal verhinderte mit Rainer Fuhrländer ein ehemaliger Spieler durch viel Engagement Schlimmeres. Der 12. Tabellenplatz bedeutete erneut den Klassenerhalt. Der Vorstand handelte danach konsequent. Rainer Fuhrländer wurde mit der Trainingsleitung beauftragt, Willi Naumann stand ihm zur Seite. Der ehemalige Spielmacher tat dies auf vorbildliche Weise zudem unentgeltlich. Vor allem die Rückrundenleistungen unter ihrer Regie waren mit einer zunehmend veralterten Mannschaft nicht hoch genug zu bewerten, so dass das große Zittern diesmal ausblieb.

Doch die Zeit war nicht zurückzudrehen. Tristesse war angesagt. Nur nach langen Diskussionen und zwei Generalversammlungen wurde eine neue Vorstand um den 1. Vorsitzenden Helmut Heller gewonnen und auf einen freiwilligen Abstieg verzichtet. Jeder weiß mittlerweile, dass die Saison 1995/1996 nach sage und schreibe 23 Ligajahren (!!) den Abstieg brachte. Die Niederlagen gegen Ata Spor Wetzlar und Winkels/Probbach/Dillhausen in den Religationsspielen bedeuteten ein Abschiednehmen. Aber größter Respekt ist angesagt, vor allem auch den Verantwortlichen gegenüber. Karl-Heinz Will als Trainer und aufopferungsvoller Spieler scheute die Verantwortung nicht. Ganz im Gegenteil. Er gab alles und hatte in Frank Clausius einen überaus getreuen Begleiter. Über zwei Jahrzehnte hinweg und in vielen hunderten Spielen haben sie für den Verein Maßgebliches geleistet. Sie hätten wahrlich einen besseren Ausklang ihrer so erfolgreichen Laufbahn verdient gehabt. Wie zutreffend auch für Willi Naumann! Er hat viele, viele Jahre Großartiges für den Verein geleistet. Seine Impulse über 25 Jahre im Spielausschuß und sein Mut, auch noch in der letzten Saison an der Linie zu stehen, verdienen Respekt und sollten nicht vergessen werden. Eine fast schon Gewohnheit gewordene Sporttradition durchschreitet eine Talsohle. Aber jedes Ende bedeutet auch einen Neubeginn. Hoffen wir also und helfen wir alle mit, dass dieser im sportlichen Bereich gelingen möge. Glück auf, Sportfreunde, für neue Jahre!

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